Das Femegericht

Das Femegericht, der freie Stuhl bei den sieben Ahornen

Bei meinen Streifzügen über den Damberg habe ich einen alten Hirsch getroffen. Ein mächtiges Tier mit einem imposanten Geweih auf seinem Haupt. Der hat mir die Geschichte vom „freien Stuhl“ bei Züschen erzählt.

Das ist gar nicht weit weg von Girkhausen. Die Stelle heißt bei den „Sieben Ahorn“, so ist sie auch auf Wanderkarten eingezeichnet. Der Freistuhl zum Hohlen Ahorn wurde von Kaiser Karl IV persönlich als Reichslehen errichtet.

Im Mittelalter traf sich da ein Geheimgericht, das sogenannte Feme-Gericht. Dieses bestand aus einem Freigrafen und mindestens sieben ortsansässigen Schöffen. Ein Fronbote und ein Gerichtsschreiber gehörten auch dazu. Todesurteile wurden in ein sogenanntes Blutbuch geschrieben, oftmals wurde das im Zuge der Geheimhaltung aber auch unterlassen. Die Angeklagten wurden meist aus dem Kerker im Berleburger Schloss über 17 Km zu Fuß dorthin geführt, das allein war schon ein beschwerlicher und langer Weg. Dass da nicht immer alles mit rechten Dingen zuging, kann man sich auch denken. Es war halt geheim und der Freischöffe durfte das gefundene Diebesgut für sich behalten.

1430 wurden in Dortmund 12 Punkte aufgelistet, die vor den Femegerichten verhandelt werden sollten, unter anderem auch Diebstahl, der mit dem Tode bestraft wurde. Aber verhandelt wurde nur nach Anklage durch einen der Schöffen. Der einfache Untertan hatte keine Möglichkeit derart zu seinem Recht zu kommen. Übrigens konnte man dort auch in Abwesenheit zum Tode verurteilt werden, eine Wiederaufnahme des Verfahrens wie das heute möglich ist, gab es, genau wie Freisprüche nicht. Dieses Gericht hat Urkunden zufolge etwa 150 Jahre bestanden.

Besonders interessant finde ich ja, dass derjenige von den Mitgliedern des Feme-Gerichts, der den Mund nicht halten konnte und Interna verraten hatte, noch höher am Baum aufgehängt werden sollte als ein gewöhnlicher Dieb. Das Alles ist schon viele hundert Jahre her, selbst die Baumstümpfe von den Ahornbäumen sind schon vermodert und nicht mehr zu sehen. Aber die Geschichte wird immer noch erzählt.